Soziale Gerechtigkeit beginnt in der Kindheit
Der aktuelle UNICEF-Bericht zeigt, dass auch in einem wohlhabenden Land wie Deutschland nicht alle jungen Menschen faire Chancen auf Gesundheit, Wohlbefinden, Teilhabe und Bildung haben

© UNICEF/Annette Etges
Bundesweit wächst fast jedes zehnte minderjährige Kind unter erheblichen materiellen und sozialen Entbehrungen auf. Das entspricht rund 1,3 Millionen jungen Menschen, die in nahezu allen Lebensbereichen Nachteile haben – nicht nur in Bezug auf ihre materielle Situation, ihre Bildung und ihre gesellschaftliche Teilhabe, sondern auch hinsichtlich ihrer Freizeitmöglichkeiten, sozialen Beziehungen sowie der Sicherheit und Risiken ihres Aufwachsens. Dies belegt der UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland, der auf nationalen wie internationalen Datenquellen basiert und im Auftrag von UNICEF Deutschland von Forschenden des Deutschen Jugendinstituts (DJI) erstellt wurde.
Starker Zusammenhang zwischen Armut und psychischem Wohlbefinden in Deutschland
Die Nachteile in den verschiedenen Lebensbereichen wirken sich dem Bericht nach deutlich auf das psychische Wohlbefinden und die Gesundheit junger Menschen aus. So berichten Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund häufiger über geringere Lebenszufriedenheit, geringeres psychisches Wohlbefinden und stärkere Einsamkeitsgefühle als Gleichaltrige aus Familien mit höherem sozioökonomischem Status. Am schlechtesten fällt die Beurteilung des psychischen Wohlbefindens bei finanziell benachteiligten Mädchen aus. Deutschland ist neben Portugal, Lettland, Ungarn und Österreich eines der wenigen europäischen Länder, in denen sich der Zusammenhang zwischen Armut und psychischem Wohlbefinden so stark zeigt.
Strukturelle Benachteiligungen werden kaum ausgeglichen
Dem UNICEF-Bericht zufolge können Familien eine wichtige Schutzfunktion übernehmen: Ein positives Familienklima und förderliches Erziehungsverhalten mildern negative Effekte materieller Knappheit auf das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen mitunter ab. Gleichzeitig wird deutlich, dass zentrale gesellschaftliche Institutionen – etwa das Bildungssystem – strukturelle Benachteiligungen bislang kaum ausgleichen. Dies verweist auf grundlegende Herausforderungen für Politik, Verwaltung und Praxis.
Digitales DJI-Kolloquium am 24. Februar zu zentralen Befunden des UNICEF-Berichts
Am Dienstag, 24. Februar 2026, werden im digitalen DJI-Kolloquium von 13 bis 14:30 Uhr zentrale Befunde des UNICEF-Berichts vorgestellt. Es referieren aus dem Autor:innen-Team Sophia Chabursky und Dr. Alexandra Langmeyer vom DJI sowie Jan Braukmann von UNICEF Deutschland. Im Anschluss besteht Gelegenheit zur Diskussion der Ergebnisse und möglicher Konsequenzen für Forschung, Politik und Praxis. Die Moderation übernimmt DJI-Wissenschaftler und Mitautor Dr. Thorsten Naab.
Weitere Informationen zum DJI KolloquiumUNICEF-Bericht 2025 „Eine Perspektive für jedes Kind“, Anhang zur Datengrundlage und Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse und Handlungsempfehlungen von UNICEF
Kontakt
Dr. Alexandra Langmeyer
Leiterin der Fachgruppe Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern
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Abteilung Medien und Kommunikation
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